Weiter wie bisher ?
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Im ganzen Einkaufsmarkt laufen überall vermummte

Gestalten. Man muss zweimal hinschauen, wer sich

dahinter verbirgt. Hier gilt das Gesetz: Abstand

halten! An der Kasse vorbei und endlich wieder an

der Luft, wird die Maske herunter gerissen. „Ach, du

bist es, wie geht es dir?“ Plötzlich stehen wir dicht bei

dicht zusammen und aller Abstand ist vergessen.

Es fehlt nur noch das Händeschütteln zur

Verabschiedung.


Wenn ich in diesen Tagen die Menschen beobachte,

dann scheint es mir, dass sich jetzt alle im

„Nach-Corona-Modus“ befinden. Was vor Wochen noch undenkbar galt, wird jetzt nicht nur erwogen: Es wird regelrecht gefordert.


Sicher gibt es Menschen, die dankbar sind, dass es nicht so schlimm gekommen ist, wie in Großbritanien und den USA. Allerdings macht die Gruppe der Unzufriedenen auch weiter wie bisher. Vor Corona galt ihr Unmut den Regierenden und jetzt, da sie wieder auf die Straße dürfen, schimpfen sie die Hygienemaßnahmen eine unverschämte Freiheitsberaubung. Wären ohne die Freiheitsberaubung die Krankenhäuser kollabiert, dann hätten sie auch geschimpft. Allerdings in diesem - Gott und Menschen sei Dank - nicht eingetretenen Fall wäre das Klagen zu Recht laut geworden.


Jetzt zu Pfingsten schnuppern wir die laue Luft des Frühsommers und ich kann die Sehnsucht nach dem leichten Leben verstehen. Wir freuen uns auf das gewohnte Leben, wie nach langer Fastenzeit auf das Festessen am Ostersonntag. Allerdings frage ich mich in der letzten Zeit mehr und mehr, ob denn der Verzicht zu einem Sinneswandel geführt hat, wie es dem Fasten inne wohnt. Für einige Menschen scheinen die Verbote nichts anderes gewesen zu sein, als ein lästiges und von oben auferlegtes Gesetz. Und wenn das Verbot nicht mehr gilt, geht alles so weiter wie bisher.


Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und mir geht es nicht anders. Ich möchte in meine vertrauen Verhaltensweisen fallen. Dabei muss ich mich immer wieder mal daran erinnern, dass die Gefahr nicht aus der Welt ist. Und vielleicht besteht die größte Gefahr darin, dass wir aus ihr nichts gelernt haben. Wir brauchen ein veränderten Sinn und einen neuen Geist. Den zu finden ist so schwer, wie das Fest des Geistes zu fassen ist: Pfingsten.


Was war noch einmal zu Pfingsten? Der Volksmund antwortet auf die Frage, warum die Leute Pfingsten nicht groß feiern: „Pfingsten, sind die Geschenke am Geringsten!“ Weihnachten ist ein Kind geboren, Ostern ein Mensch gestorben - das können wir uns vorstellen. Aber die Pfingstgeschichte hat wenig mit unserem Leben zu tun: Als 50 Tage nach Ostern Jesu Jünger versammelt sind, werden alle vom Heiligen Geist erfasst und sie beginnen in vielen fremden Sprachen zu predigen. Wir erleben selten solche Einigkeit. Die Menschen sind sehr verschieden und jeder verfolgt seine eigenen Interessen. Jede Gruppe besitzt schon einen Geist, aber eben den Teamgeist. Ein universeller Geist von dem einen Gott und eine gemeinsame Sprache des Glauben - das bleibt eine Sehnsucht, ein Traum und ein Wunsch.


Pfingsten erinnern wir uns an diesen Gedanken und wir erinnern Gott daran im Gebet: „Komm, Heiliger Geist und erfüll die Herzen deiner Gläubigen!“ Ganz bescheiden! Es würde ja schon reichen, wenn die Gläubigen erfüllt würden. Denn wenn es bei denen auch so weiter geht wie bisher, dann ist die Kirche zu Pfingsten wieder leer wie alle Jahre. Und wenn es denn so ist, wie alle Jahre, kann ich nur sagen: Gott sei Dank. Was würde ich nur machen, wenn so viele kämen, wie am Heiligen Abend? Es ist doch noch nicht alles wie bisher und die Plätze in der großen Kirchen sind begrenzt. Wir brauchen nach wir vor das Gebet nach Veränderung und nach Gottes Erbarmen. Da die Zahl der Beter allerdings nicht hoch ist, haben diese die Freude, dass sie mit 3 Meter Abstand singen dürfen. Wenn dies nicht ein Trost ist?


Heilger Geist, du Tröster mein,
hoch vom Himmel uns erschein
mit dem Licht der Gnaden dein.


Komm, Vater der armen Herd,
komm mit deinen Gaben wert,
uns erleucht auf dieser Erd.


Ohn dein Beistand, Hilf und Gunst
ist all unser Tun und Kunst
vor Gott ganz und gar umsonst.


Lenk uns nach dem Willen dein,
wärm die kalten Herzen fein,
bring zurecht, die irrig sein.



Bleiben Sie tapfer und im Gottvertrauen und denken Sie zu Pfingsten mal darüber nach, an welchen Stellen es sinnvoll ist, etwas zu ändern. Gott gebe dazu SEINEN Heiligen Geist.  Herzlich Ihr Pfarrer Torsten Schneider