Schenk mir ein Lächeln
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Vielleicht lag es ja nur daran, dass ich so früh unterwegs war und alle Menschen noch müde. Der Supermarkt war noch recht leer. Jene Tapferen, die den Laden am Laufen hielten, packten frische Ware aus. Danke! Und obwohl nicht viele an der Kasse standen, bildeten sie eine Schlange mit großen Abstand durch das halbe Geschäft. Soweit war das alles in Ordnung. Aber bildete ich es mir ein oder schauten mich alle besonders grimmig an? Nicht dass in unseren Landen die Menschen sonst außergewöhnlich strahlend durch den Alltag tanzten. Nur jetzt gehen sich wohl alle aus dem Weg. Dachte ich das vielleicht auch: „Oh da kommt ein Mensch? Geh ihm ja aus dem Weg. Wer weiß, was er hat?“


Wie schauen wir Menschen uns jetzt an? Beäugen wir uns gegenseitig mit Misstrauen?


Für mich war das ein Grund in der Bibel zu

blättern und zu fragen: „Wie schaut Gott

uns Menschen wohl an?“ Ich kann nicht

zustimmen, wenn Leute jetzt sagen: Das ist

die Strafe Gottes. In manchen Menschen

steckt das Gottesbild vom zornigen und

strafenden Gott. Dabei ist diese Seuche

durch Menschenwerk verbreitet worden.

Die Menschen wollten unbedingt die

billigen Dinge aus China. Die Menschen

wollten mit dem Flugzeug weit weg in den

Urlaub fliegen. Es kamen aber nicht nur die

Billigwaren aus China und in der Flugzeug-

kabine wurden nicht nur Reisende trans-

portiert. Dass wir in der jetztigen Situation

ausgerechnet nicht mehr reisen dürfen und

der Warennachschub aus China abgerissen ist, sollte uns schon nachdenken lassen. Es ist aber nicht eine höhere Strafe, sondern eine innerweltliche Strafe für unseren Lebenswandel.


Was wäre das für ein Gott, der unsere Alten und Schwachen straft für den Luxus der Starken? Ich glaube nicht an einen strafenden Gott, sondern im Blick auf Christus auf einen liebenden. Jesus hat das Leiden erfahren und Gott steht denen zur Seite, die jetzt auch Leiden durchmachen. Gott ist bei jenen, die Angst haben, weil sie gefährdet ist. Er steht bei den Kranken am Bett und allen Menschen, die nachts in Sorge schlecht schlafen. Gott blickt Menschen freundlich an.


In Psalm 8 hat jemand die Frage gestellt, was Gott vom Menschen hält. Da steht: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“ Was ist das Besondere am Menschen, dass sich Gott für ihn interessiert und dich und mich anschaut? Die Antwort im Psalm verblüfft: „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.“ Menschen fehlt also nicht viel, dass sie so wunderbar und herrlich sind, wie der HERR selbst. Gott ist also der größte Fan vom Menschen. Deshalb lächelt uns Gott zu und wünscht sich wohl, dass wir zurück lächeln…


Irgendwann als ich eine Weile durch die Supermarktregale geschlichen bin, dachte ich mir: „Du musst die Leute anlächeln!“ Auch wenn wir Abstand wahren müssen, ein Lächeln überwindet die Distance. Und in der Tat: Als ich dann beim Bäcker war, strahlte die Verkäuferin zurück. Ein Lächeln ist ansteckend - aber auf heilende und wohltuende Art. Versuchen Sie es aus, wenn Sie mal wieder so einen Menschen sehen.


Bleiben Sie tapfer und im Gottvertrauen Ihr Pfarrer Torsten Schneider